Beim Häuten der Zwiebeln im Tempel

Das Bild zeigt, wie ich mit den Bewohnern von Avarangal auf der Halbinsel Jaffna in Sri Lanka im Tempel Gemüse schneide. Während des Tempelfests wird dort täglich für 200–300 Menschen gekocht.

Ich war drei Wochen mit meiner Mama und meinen Geschwistern in Sri Lanka, an meinem Geburtsort. Es war etwas ganz Besonderes, jeden Morgen früh gemeinsam mit den Menschen vor Ort Gemüse zu schneiden und für die Besucher des Tempels zu kochen. Dort habe ich eine tiefe Dankbarkeit gespürt – und für mich die Möglichkeit, etwas von dem Glück weiterzugeben, das ich in Deutschland erfahren durfte. Ein Glück, das viele dort, geprägt vom Krieg, so nicht erleben konnten.

Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, noch länger bleiben zu wollen, um mehr Zeit mit den Menschen zu verbringen und zu teilen. Es erdet mich zu sehen, wie sehr einfache Dinge geschätzt werden und wie Menschen mit so wenig so viel Zufriedenheit im Alltag finden.

Der Tempel ist für viele ein Ort, um Sorgen loszulassen – eine Art Therapie für ein schweres Herz. Menschen kommen zusammen, kochen, beten, tragen gemeinsam die Götterstatue durch die Straßen, essen miteinander und nehmen am Ende noch Essen für ihre Familien mit.

Ich wurde schon in meiner Kindheit von dieser besonderen Gemeinschaft geprägt. Und doch fühlt es sich heute anders an, als Deutsche an diesen Ort meiner Wurzeln zurückzukehren und mit den Menschen über ihr Leben zu sprechen. Je mehr ich zuhöre, desto bewusster wird mir, wie viel ich habe – und wie dankbar ich für unser Leben in Deutschland, für Demokratie und ihre Grundwerte bin.

Ich bewahre meine Religion und Teile der Tradition meiner Eltern. Gleichzeitig wird mir immer wieder klar: Keine Religion und keine Tradition darf über unserer Demokratie und ihren Grundwerten stehen.

Mit gebräunter Haut, ganz viel Energie und einem vollen Herzen bin ich zurückgekehrt – und freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Besuch in Sri Lanka ♥️

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