Heute möchte ich euch Kevin vorstellen.

Kevin arbeitet als Altenpfleger in einem Pflegeheim auf dem Land. Bei meinen Visiten als Hausarzt begegne ich ihm regelmäßig. Er kam vor einigen Jahren aus Afrika nach Deutschland, lernte unsere Sprache, absolvierte seine Ausbildung und arbeitet heute dort, wo seit Jahren ein dramatischer Personalmangel herrscht.

Wenn ich ihn sehe, fällt mir vor allem eines auf: sein Lächeln.

Dabei hat Kevin keinen leichten Job. Er kümmert sich um unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, begleitet sie durch gute und schwere Tage, beantwortet Anrufe besorgter Angehöriger und trägt Verantwortung für Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Oft arbeitet er unter hohem Druck. Trotzdem begegnet er den Menschen mit Freundlichkeit, Geduld und Respekt.

Während viele Regionen auf dem Land Schwierigkeiten haben, Personal zu finden, ist Kevin geblieben. Er arbeitet hier, zahlt Steuern und Sozialabgaben, übernimmt Verantwortung und bereichert unsere Gesellschaft jeden Tag mit seinem Einsatz.

Und genau deshalb macht mich etwas nachdenklich.

In politischen Debatten und gesellschaftlichen Diskussionen werden Menschen wie Kevin oft in einen Topf geworfen mit denen, die unsere Werte ablehnen oder unser Zusammenleben gefährden. Aus Individuen wird plötzlich „der Ausländer“.

Warum fällt es uns so schwer, Menschen differenziert zu betrachten?

Kevin ist nicht „der Ausländer“. Er ist ein Mensch. Ein Kollege. Ein Pfleger. Jemand, der jeden Tag für unsere Eltern und Großeltern da ist.

Und wenn ich ehrlich bin: Für manche Menschen bin auch ich „der Ausländer“. Dabei gibt es kein Land, das ich mehr liebe als Deutschland. Keine Sprache, die ich besser beherrsche als Deutsch. Keine Gesellschaft, der ich mich stärker verbunden fühle als dieser.

Wer wird unsere Eltern und Großeltern pflegen, wenn Menschen wie Kevin nicht mehr kommen?

Heute möchte ich einfach Danke sagen.

Danke an Kevin.
Danke an alle Pflegekräfte, die ihre Heimat verlassen haben, um bei uns Verantwortung zu übernehmen.
Danke an alle, die als Erwachsene eine neue Sprache gelernt, eine Ausbildung absolviert und sich in unsere Gesellschaft eingebracht haben.
Danke für eure Geduld, eure Menschlichkeit und euer tägliches Lächeln.

Ihr seid ein unverzichtbarer Teil unseres Gesundheitswesens.

Mein Respekt und meine Anerkennung gehören euch. ❤️🙏

Und wenn euch die Geschichten aus dem Alltag einer Landarztpraxis interessieren, dann hört gerne in unseren Podcast „Gesund geplaudert“ rein. Gemeinsam mit Elisabeth Hussendörfer spreche ich dort regelmäßig über bewegende Begegnungen, Herausforderungen und besondere Momente aus dem hausärztlichen Alltag auf dem Land.

Denn hinter jeder Diagnose, jedem Hausbesuch und jedem Pflegeeinsatz stehen Menschen – und ihre Geschichten verdienen es, erzählt zu werden.

Teilen:

Weitere Beiträge

„Ich möchte nicht alt werden.“

Diesen Satz hören wir oft. Aber warum eigentlich? In unserer aktuellen Podcast-Folge haben Elisabeth Hussendörfer und ich mit Greta Silver darüber gesprochen, warum wir das